Halber Mensch

(“Halber Mensch”, Januar 2011)

Das Streben der Menschen scheint das Streben nach Perfektion zu sein. Auch in der Photographie war schon immer der Wunsch nach immer besseren und detailierteren Bildern der Antrieb für weitere technische Entwicklungen. Was früher das Korn auf dem Film war, sind heute Auflösung und Sensorrauschen. Aber nicht immer kommt es darauf an, Dinge möglichst detailiert abzubilden. Das Weglassen von Details erzeugt mitunter in der Phantasie des Betrachters weitaus schönere Bilder als ein Film oder ein Sensor je aufnehmen kann.

Zum Vertuschen der minderwertigen Qualität ihrer Hardware bauen viele Hersteller Korrekturalgorithmen in Treiber oder Verarbeitungssoftware, aber meist schon in das Gerät selbst mit ein. Dass man diese auch zur Unterstützung der Bildaussage nutzen kann, gilt es zu beweisen.

1 Kommentar

Eingeordnet unter Abstraktes, Surreales

Eine Antwort zu Halber Mensch

  1. Den maximalen Erfolg weitgehend zu erreichen ist mit Sicherheit eines der elementarsten Bestrebungen des Menschen: Es heißt nicht umsonst, dass es die Unzufriedenen sind, denen wir den Fortschritt verdanken. Andererseits hat Detailreichtum nicht unbedingt etwas mit möglichst realitätsgetreuer Wiedergabe zu tun, denn wenn man sich Sakralabbildungen anschaut, Evangeliare etwa, dann haben sich mit der Zeit die durchgesetzt, die zwar detaillierter und prachtvoller wirkten, die realistischeren Bildnisse dagegen wurden sehr bald vernachlässigt. Was also ist jetzt die perfekte Fotografie: Realistische Wiedergabe der “wirklichen” Begegebenheiten oder Detailreichtum? Vielleicht gehe ich mit diesem Vergleich zu weit, weil Buchmalerei nun einmal etwas vollkommen anderes ist als Fotografie, und Letztere sich vor allem über qualitative Unterschiede insofern freuen darf, dass die Ergebnisse einfach “schärfer” sind – und dennoch gehören beide zur abbildenden Kunst.
    Der Bogen zur Informatik mit Algorithmen, die zur Vertuschung von, ich nenne es jetzt einfach mal so, Pfuscherei verwendet werden, kommt für mich ein wenig überraschend. Daher bin ich ja mal gespannt auf deinen Beweis.

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