Think negative, trust noone.

oder: „Von Pferden und Autobahnen“

Positivismus und überschwängliche Euphorie scheint es schon sehr lange zu geben. Situationen, in denen diese durchaus menschlichen Eigenschaften den Verlauf der Weltgeschichte für bestimmte Personengruppen nachteilig beeinflussten, gibt es viele. Prominentestes Beispiel ist das trojanische Pferd („Equo ne credite! Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes – „Traut nicht dem Pferde! Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“) oder das im nachhinein fast als Ironie der Weltgeschichte zu betrachtende „Phänomen“ der Vollbeschäftigung in Deuutschland nach 1933.

Natürlich ist es auch ein Fehler, hinter jedem Menschen einen potenziellen Feind zu sehen und niemandem zu vertrauen. Die Kunst besteht also darin eine „goldene Mitte“ zwischen Naivität und Paranoia zu finden. Dieser Mittelweg ist jedoch höchst individuell, und auch sehr veränderlich. Wurde das Vertrauen einmal verletzt, ist die Hemmschwelle, jemand anders wieder voll zu vertrauen natürlich sehr viel höher als vorher, „Gebrannte Kinder“ werden das Feuer noch sehr lange meiden. In wiefern sich diese Hemmschwelle regeneriert, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Fest steht aber, dass ohne Vertrauen keine Bindung unter Menschen möglich ist, das liegt schon in der Natur der Sache. Schon bei alltäglichen Dingen, wenn man beispielsweise in einer fremden Stadt jemandem nach dem Weg fragt, muss ein Grundvertrauen, nämlich das in die grundsätzliche Richtigkeit der Information oder zumindest in den guten Willen des Befragten vorhanden sein, sonst ist jede Information nutzlos.

Da unsere Gesellschaft jedoch in hohem Maße auf Arbeitsteilung basiert (Beispiele dafür liefert beinahe jede Folge der „Sendung mit der Maus“, nämlich jede, in der gezeigt wird, wie etwas hergestellt wird: Hochkomplexe Maschinen, die von spezialisiertem Fachpersonal gewartet werden müssen et cetera). Sollte ein Glied einer Kette versagen, ist die ganze Kette wirkungslos. Anders herum funktioniert sie auch ausschließlich dann optimal, wenn die einzelnen Glieder einander vertrauen und zuverlässig zusammenarbeiten. Ein Optimum an Sicherheit ist daher gegeben, wenn für kein Glied der Kette ein materieller oder ideologischer Anreiz besteht, die Kette zu unterbrechen.

Vertrauen basiert also auf Kommunikation, da sie auf ideologische Konflikte am ehesten aufmerksam machen kann, Fakt ist außerdem, dass Vertrauen immer wieder durch Kommunikation „nachjustiert“ werden muss, um ein Maximum an Sicherheit für beide Seiten zu garantieren. Einbahnige Informationssysteme wie zum Beispiel in der Politik und der Wirtschaft herrschen, sind zu schwammig, um diese Funktion zu erfüllen. Wahlergebnisse und Verkaufszahlen können ausschließlich auf die Affinität der Wähler oder Verbraucher zu einer bestimmten Partei oder einem bestimmten Produkt Aufschluss geben, niemals aber über die Ausrichtung des einzelnen Wählers oder Verbrauchers.

Vertrauen ist also ohne eine individualisierte Umgebung unmöglich, in der Politik und in der Wirtschaft liegen für die große Masse der Bürger materielle oder ideologische Hintergründe der Regierenden im Dunkeln. Die Wahlbeteiligungen der Kommunalwahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Es sieht fast nach totalem Desinteresse aus, wenn sich nicht einmal ein Kandidat für das Amt des Bürgermeisters findet, wie das dieses Jahr in Altusried, einer Allgäuer Gemeinde der Fall war. In einer individualisierten Umgebung, einem kleinen Dorf, wo buchstäblich „jeder jeden kennt“, muss doch Vertrauen möglich sein? Nein. Stattdessen wird anderswo blind irgendwelchen Parteien hinterhergelaufen (= vertraut), nur um sein Misstrauen gegenüber einer anderen Partei zu zeigen. Ein bisschen Konsequenz wäre durchaus nicht fehl am Platz, selbst wenn es in der Kommunalpolitik nicht gleich um die Rettung der Menschheit als ganzes oder die globale Revolution geht. Man sollte erst einmal seine eigene Basis in Ordnung bringen, bevor man sich an globale Probleme macht. Revolutionen kamen schon immer von unten, und das hat auch seinen Sinn.

Was bleibt uns also? Den Blick hinter die Fassade zu wagen. Entscheidungsträger, die nicht transparent sind, haben möglicherweise etwas zu verbergen und stellen ein unkalkulierbares Risiko dar, was sich noch potenziert, wenn ihre Position einflussreich ist. Think negative, trust noone.

~ von elmanocornuto am 17. Juni 2008.

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