Von Pflichtdiensten und Dienstpflichten

•10. März 2009 • Kommentar schreiben

Interessant ist es schon immer, wenn sich Klischees bewahrheiten. Aber noch interessanter ist es, wenn Unterschiede gemacht werden, wo sie eigentlich nicht sein sollten.

Ein Beispiel, aus dem Leben gegriffen: Dass bei der Bundeswehr nach Dienstschluss hauptsächlich ausschließlich Alkoholkonsummissbrauch stattfindet, ist allgemein hinlänglich bekannt. Klar, bis zu sechs junge Männer auf einer Stube, da kann es schon sein, dass einem nichts blöderes einfällt, als sich jeden Abend – und Donnerstags besonders – zu betrinken.

Interessant ist auch die sonst überall hundertprozentige Analogie von Bundeswehr und Zivildienst. So muss die einem ZDL (vulgo: Zivi) zur Verfügung gestellte Arbeitskleidung zB vergleichbar aussehen und vergleichbar beschaffen sein, wie die eines GWDL (Grundwehrdienstleistender – ich liebe Abkürzungen!). Das geht sogar soweit, dass die Anzahl der Unterhosen (…) in einem amtlichen und für alle Zivildienststellen verbindlichen Papier, auch “Leitfaden” genannt, geregelt ist – Ordnung muss schließlich sein.

Für was es allerdings keiner amtlichen Regelung bedarf, um es gleich zu halten, ist die Freizeitgestaltung während Lehrgängen und in Kasernen. Ich selbst habe seit Montag die Ehre an einem sogenannten Basislehrgang teilzunehmen und kann mich jetzt schon das zweite Mal von der abwechslungsreichen Freizeitgestaltung hier überzeugen. Um es mit den Worten von “Hias”, einem hiesigen Dozenten auszudrücken: “Man kann sich draaußen irgendwo hinstellen und sagen ‘Hier ist der Stadtkern’, und es stimmt. Ich werde imnmer wieder gefragt ‘was kann man hier so machen, wo kann man abends weggehen’ und ich muss immer antworten ‘nix’. Da draußen, ca. 200 Meter weiter ist ein Tabledance, aber das ist eh zu teuer für euch. Übrigens ist es ein böses Gerücht, dass man hier Alkohol trinken muss“.

Bleibt das Bier. Prost. Der Getränkemarkt ist zum Glück gleich nebenan.

Ach ja, und der Kaffee hier ist übrigens sehr sehr schlecht.

Think negative, trust noone.

•17. Juni 2008 • Kommentar schreiben

oder: “Von Pferden und Autobahnen”

Positivismus und überschwängliche Euphorie scheint es schon sehr lange zu geben. Situationen, in denen diese durchaus menschlichen Eigenschaften den Verlauf der Weltgeschichte für bestimmte Personengruppen nachteilig beeinflussten, gibt es viele. Prominentestes Beispiel ist das trojanische Pferd (”Equo ne credite! Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes – „Traut nicht dem Pferde! Was immer es ist, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“) oder das im nachhinein fast als Ironie der Weltgeschichte zu betrachtende “Phänomen” der Vollbeschäftigung in Deuutschland nach 1933.

Natürlich ist es auch ein Fehler, hinter jedem Menschen einen potenziellen Feind zu sehen und niemandem zu vertrauen. Die Kunst besteht also darin eine “goldene Mitte” zwischen Naivität und Paranoia zu finden. Dieser Mittelweg ist jedoch höchst individuell, und auch sehr veränderlich. Wurde das Vertrauen einmal verletzt, ist die Hemmschwelle, jemand anders wieder voll zu vertrauen natürlich sehr viel höher als vorher, “Gebrannte Kinder” werden das Feuer noch sehr lange meiden. In wiefern sich diese Hemmschwelle regeneriert, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Fest steht aber, dass ohne Vertrauen keine Bindung unter Menschen möglich ist, das liegt schon in der Natur der Sache. Schon bei alltäglichen Dingen, wenn man beispielsweise in einer fremden Stadt jemandem nach dem Weg fragt, muss ein Grundvertrauen, nämlich das in die grundsätzliche Richtigkeit der Information oder zumindest in den guten Willen des Befragten vorhanden sein, sonst ist jede Information nutzlos.

Da unsere Gesellschaft jedoch in hohem Maße auf Arbeitsteilung basiert (Beispiele dafür liefert beinahe jede Folge der “Sendung mit der Maus”, nämlich jede, in der gezeigt wird, wie etwas hergestellt wird: Hochkomplexe Maschinen, die von spezialisiertem Fachpersonal gewartet werden müssen et cetera). Sollte ein Glied einer Kette versagen, ist die ganze Kette wirkungslos. Anders herum funktioniert sie auch ausschließlich dann optimal, wenn die einzelnen Glieder einander vertrauen und zuverlässig zusammenarbeiten. Ein Optimum an Sicherheit ist daher gegeben, wenn für kein Glied der Kette ein materieller oder ideologischer Anreiz besteht, die Kette zu unterbrechen.

Vertrauen basiert also auf Kommunikation, da sie auf ideologische Konflikte am ehesten aufmerksam machen kann, Fakt ist außerdem, dass Vertrauen immer wieder durch Kommunikation “nachjustiert” werden muss, um ein Maximum an Sicherheit für beide Seiten zu garantieren. Einbahnige Informationssysteme wie zum Beispiel in der Politik und der Wirtschaft herrschen, sind zu schwammig, um diese Funktion zu erfüllen. Wahlergebnisse und Verkaufszahlen können ausschließlich auf die Affinität der Wähler oder Verbraucher zu einer bestimmten Partei oder einem bestimmten Produkt Aufschluss geben, niemals aber über die Ausrichtung des einzelnen Wählers oder Verbrauchers.

Vertrauen ist also ohne eine individualisierte Umgebung unmöglich, in der Politik und in der Wirtschaft liegen für die große Masse der Bürger materielle oder ideologische Hintergründe der Regierenden im Dunkeln. Die Wahlbeteiligungen der Kommunalwahlen sprechen jedoch eine andere Sprache. Es sieht fast nach totalem Desinteresse aus, wenn sich nicht einmal ein Kandidat für das Amt des Bürgermeisters findet, wie das dieses Jahr in Altusried, einer Allgäuer Gemeinde der Fall war. In einer individualisierten Umgebung, einem kleinen Dorf, wo buchstäblich “jeder jeden kennt”, muss doch Vertrauen möglich sein? Nein. Stattdessen wird anderswo blind irgendwelchen Parteien hinterhergelaufen (= vertraut), nur um sein Misstrauen gegenüber einer anderen Partei zu zeigen. Ein bisschen Konsequenz wäre durchaus nicht fehl am Platz, selbst wenn es in der Kommunalpolitik nicht gleich um die Rettung der Menschheit als ganzes oder die globale Revolution geht. Man sollte erst einmal seine eigene Basis in Ordnung bringen, bevor man sich an globale Probleme macht. Revolutionen kamen schon immer von unten, und das hat auch seinen Sinn.

Was bleibt uns also? Den Blick hinter die Fassade zu wagen. Entscheidungsträger, die nicht transparent sind, haben möglicherweise etwas zu verbergen und stellen ein unkalkulierbares Risiko dar, was sich noch potenziert, wenn ihre Position einflussreich ist. Think negative, trust noone.

Zwischen uns

•27. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Ich hatte es selbst das erste Mal seit Jahren gewagt, mein Glashaus zu verlassen, und sie war allein für mich von ihrem Turm herabgestiegen.

So stand sie also vor mir. Ihren Helm hatte sie abgenommen, so konnte ich wenigstens mit ihr sprechen. Ihr Gesicht war so schön, ihre Stimme so rein und ihre Worte so klug, dass ich wild entschlossen war, ihre Panzerung nicht zu durchbrechen sondern ihr zu helfen, sie abzulegen.
Ich fing also an, ihren Schutz, der sie gleichermaßen auch unbeweglich werden ließ, nach Schwachstellen abzusuchen. Voller Freude über die sich bietende Möglichkeit wollte ich mich daran machen, eine Verschraubung an ihrer Brustpanzerung zu lösen, doch ihre Blicke blieben Skeptisch. Ohne ihren Panzer wäre sie wehrlos, meinte sie – aber auch unbeweglich, war mein Einwand.
Nach langer Diskussion machte ich die äußerste Schicht ab. Zu meinem Erschrecken lagen noch viele Schichten darunter. An ihr innerstes zu kommen, wird lange lange dauern. Nicht so schlimm. Wir haben Zeit. Alle Zeit der Welt.

In einer ruhigen Minute, als wir beide einfach das Zu-zweit-sein genossen, musterte sie mich. Irgendetwas schien ihr aufgefallen zu sein, jedenfalls betastete sie meine Haut, oder besser: die Stellen, an denen sich meine Haut seit Jahren zu einem Panzer verdickte. Ob sie mir diese Stellen herausschneiden dürfe, fragte sie mich. Es wird bluten, sagte ich, und wehtun. Du wirst es überleben, sagte sie. Warum, fragte ich. Sie lächelte nur und gab mir keine Antwort.

Tagelang hatte ich Angst, sie würde es einfach machen, während ich schlief. Tagelang hoffte ich, sie würde es dann tun. Seither träume ich jede Nacht, dass ich aufwache und mich leichter fühle als sonst. Und nur einen kleinen Blutflecken auf meinem Bett sehe, der mir zeigt, dass es geschehen ist. Aber im Traum fühle ich keine Schmerzen, sondern unglaubliche Freude und Erleichterung. Im Traum umarme ich sie. Dann erwache ich, weil meine Hornhäute schmerzen.

Wie aufgereiht auf einer Schnur…

•17. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Gedanke 1: Warum fühle ich mich so mies, wenn ich aufstehe, warum? Warum habe ich das Gefühl von Leere, wenn ich nicht mit ihr geredet habe. Wir kennen uns doch noch gar nicht so lange! Sollte man jemandem nach 4 Wochen schon das Hausrecht im Gefühlszentrum übertragen? Sollte man nicht unabhängig bleiben, wenn man jemandem nicht ganz vertraut? Aber das Vertrauen ist ja da, sie könnte mich niemals enttäuschen, sie könnte es nicht. ● Gedanke 2: Kalt erwischt. Sie hat mich da gepackt wo es weh tut. Ganz weit innen, ganz weit. Ein Sturm ist losgebrochen in mir, und er wird nicht aufhören zu wüten, bis ich nicht Gewissheit habe. Noch habe ich mich unter Kontrolle. Was ist aber, wenn die Einsamkeit wieder zu mächtig wird? Was, wenn ich wie damals alles kaputtmache? Ich will sie nicht verlieren, niemals, und erst recht nicht durch mich selbst. ● Gedanke 3: Eine Freundschaft sollte unter diesen Bedingungen doch möglich sein. Eine Freundschaft, nicht mehr. Wie sich das anhört, als ob eine Freundschaft nicht von Bedeutung wäre. ● Gedanke 4: “Die Zeit heilt alle Wunden”, sagt man, aber die Wunde, die entstehen würde, würde ich sie aus mir herausreißen oder würde sie aus mir herausgerissen werden, würde nicht heilen. ● Gedanke 5: Es sind 4 Wochen, es sind erst 4 Wochen. Ich bin einen Schritt zu weit gegangen, ich hätte nicht von Anfang an mit offenen Karten spielen sollen. Aber zu spät, jetzt kennt sie mein Blatt. Und ich bin sogar froh darüber, dann merkt vielleicht mal jemand wenn ich mist baue, bevor es zu spät ist.

Zeit, neues zu schaffen.

•14. Mai 2008 • Kommentar schreiben

Es ist Frühjahr, überall grünt es. Ein wohlbekanntes Volkslied meint sogar, die Bäume würden ausschlagen, was sogar stimmt, nur tun sie das seit Mitte April. Klimakatastrophe live, Eintritt ist frei, und das Beste: Sie brauchen nur aus dem Fenster zu sehen, um das alles hautnah mitzuerleben, als wären sie mittendrin. Okay, sie sind mittendrin, aber wahrscheinlich interessiert Sie das nicht mal.

Jedes Jahr im Frühling zeigt uns die Natur, wie sinnvoll die Evolution die vergangenen 4,55 Milliarden Jahre genutzt hat. Und mitten in diesem Wunder sitze ich. Seit nunmehr 19 Jahren habe ich nichts geschafft, nur durchschnittliches auf die Beine bekommen, nichts neues geschaffen, und das soll sich ändern.

Ein neuer Lebensabschnitt soll beginnen, aber ich weiß noch nicht wann. Ich will meine Energie nicht mehr verschwenden, ich will meine kreative Energie nicht verrohen lassen, aber mir fehlt immer noch der passende Kanal. Meine Gedanken kann ich weder mit einem Stift noch mit einer Kamera ordentlich visualisieren, schreiben kann ich erst recht nicht, auch wenn das in der Vergangenheit mehrfach angezweifelt wurde und die Musik? Ich bin einfach nicht gut genug. Ohne eines dieser Elemente würde in meinem Leben etwas fehlen, aber ich werde keines davon jemals richtig beherrschen können, wenn ich mich nicht spezialisiere.

Vielleicht sollte ich einfach da weitermachen, wo sich neue Chancen ergeben.